Archive for the ‘medien’ Category

Zeitungssterben und das Google Monopol

Tuesday, January 26th, 2010

Bedeutet die Krise der Zeitungen das Aus für den Qualitätsjournalismus? Der unvollständige Versuch einer Bestandsaufnahme und der Versachlichung der Diskussion:

Das Zeitungssterben scheint in jüngster Zeit eines der dominierenden Themen der Eigenberichterstattung der Medien zu sein. Viele Zeitungen und Zeitschriften berichten über ihren kurz bevorstehenden Abgesang. Andererseits scheinen in Deutschland noch keine wirklichen Antworten gefunden worden zu sein. So wurden auf den münchener Medientagen 2009 Abomodelle als das Modell der Zukunft gepriesen, oder insgesamt eher konzeptlose Podiumsdiskussionen abgehalten.

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Medientage München – Jurassic Park mitten in München

Thursday, October 29th, 2009

Mit einiger Neugier bin ich heute auf die Medientage in München gegangen. Auf besonderes Interesse stieß bei mir die Diskussion zum Thema:

„Branche im Freien Fall? Qualitätsjournalismus in Zeiten von Wirtschaftskrise und Digitalisierung“

Die Runde war interessant besetzt:

Prof. Dr. Stephan Weichert (Macromedia), Wolfgang Blau (Chefredakteur ZEIT Online), Rainer Meyer (alias Don Alphonso, blogged für die FAZ.net), Ulrich Reitz (Chefredakteur Westdeutsche Allgemeine Zeitung), Bernd Gäbler, (Publizist)

Meine Erwartungen waren entsprechend hoch, denn schließlich arbeiten die meisten dieser Runde genau daran, das journalistische Modell aus Print in die Neue Welt der digitalen Medien hinüber zu retten und Strategien gegen das Zeitungssterben zu entwickeln– sollte man meinen.

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Schutzgeld Erpressung á la web 2.0

Sunday, May 24th, 2009

Die amerikanische online-Zeitung East Bay Express hat einen Artikel veröffentlicht, der seit nun einer Woche auf Platz eins ihrer “most popular stories” steht. In Yelp and the Business of Extortion 2.0 geht es um fragwürdige Methoden des US-weiten Stadtführers www.yelp.com. Restaurant-Besitzer berichten von Anrufen durch Yelp-Mitarbeiter, die an Schutzgelderpressung erinnern: Ihr Restaurant habe in letzter Zeit einige negative Userbewertungen erhalten, so die Anrufer, doch gegen einen Preis von $299 im Monat würde Yelp diese stets nach unten raten. Ein Eingriff in die Usermeinungen, der an sich ein unzulässiges Angebot darstellt, aber es geht noch weiter: In dem Artikel wird der Verdacht geäußert, dass Yelp negative Bewertungen so lange nach oben stellt, bis der Betroffene eine Anzeige schaltet. Yelp Mitarbeiter sollen gar selbst Communitybeiträge verfassen – postive für die Anzeigenkunden, negative für die, die es werden sollen…
“Yelp ist just real people, writing real reviews, and that’s the real deal”, so die Selbstbeschreibung auf der Homepage. Doch wenn Yelp mit derartigen Methoden Geschäfte macht, ist das eher eine reale Kathastrophe, rufschädigend für die ganze Branche. Und wohin die Missachtung ethischer Standards im Geschäftsleben führt, wird uns dieser Tage ja überdeutlich vor Augen gehalten…

akon beautiful mp3

Lonely Planet Inhalte: Keine authentischen Erfahrungsberichte!

Tuesday, April 15th, 2008

Autoren berichten häufig über „Hörensagen” und stellen Reisen als ihre eigenen Erlebnisse dar. Auch gekaufte Darstellungen sind möglich.

Im Blog des Guardian von Roger Norum wird das bald erscheinende Buch „Do Travel Writers got to Hell?” von Thomas Kohnstamm vorab besprochen (http://blogs.guardian.co.uk/travelog/2008/04/the_lessthanlonely_planet.html)

In diesem Buch legt der amerikanische Reiseautor Thomas Kohnstamm das Geständnis ab, nicht alle seine verlegten Reiseberichte auch selbst erfahren zu haben. Er gibt an, dass er kein Einzelfall ist, sondern dass sein Verhalten branchenüblich sei – verursacht durch den immensen Kosten- und Zeitdruck, den die Verlage aufbauen.

Dies ist ein herber Schlag gegen traditionelle Reiseverlage wie den Lonely Planet und schockiert wohl weniger die Leute seines Verlages, sondern insbesondere die Leser seiner Bücher in der ganzen Welt, die fast biblisch auf die Authentizität der Bücher bauen.

Der Blogger Roger Norum, selbst Reiseführer-Autor, sagt, er kenne die Bedingungen, unter denen heute gearbeitet werden muss gut: Reiseautoren müssten immer Entscheidungen wie diese treffen: Soll ich oder soll ich nicht zwei Tage auf einem Kamel durch die Wüste reiten, um einen Dreizeiler über das Hotel am Ende der Welt zu schreiben, wenn ich das Buch in einer Woche abgeben muss?

Dabei erwarten Redakteure von den Autoren gar nicht, dass sie jeden einzelnen Ort besichtigen, über den sie schreiben, da sie wissen: Man kann gar nicht in jedem Hotel übernachten und in jedem Restaurant essen. Sobald ein Autor seine Arbeit abgegeben hat, fragt der Redakteur also meistens nach, ob es irgendwelche Orte gibt, die er nicht besuchen konnte, so dass er sich das doppelte Überprüfen von (aus anderen Quellen übernommenen) Informationen sparen kann.

Die Debatte um „gefälschte” Erlebnisse von Autoren führt ein Grundproblem des traditionellen Reisejournalismus vor Augen. Ein einziger Autor oder relativ wenige Autoren haben eine extrem zentrale und mächtige Rolle und kontrollieren Inhalte, die tausenden von Reisenden als Grundlage für ihre Reise dienen und letztendlich auch deren Ausgaben auf Reisen stark beeinflussen. Reisende vertrauen bei einer ihrer größten jährlichen Ausgabeentscheidung lediglich einer einzigen oder sehr wenigen Meinungen. Ein direkter und öffentlicher Feedbackkanal, in dem für alle transparent bewertet werden kann, wie gut oder wie schlecht eine Empfehlung war, gibt es im traditionellen Reiseführergeschäft nicht. Eine enorme Schwäche. Und denkt man an die monetären Auswirkungen von Empfehlungen für Restaurants, Hotels oder andere Geschäfte ist das auch ein enormer Anreiz, alles Legale oder auch Illegale daran zu setzen in der jeweiligen Ausgabe eines großen Reiseführers für die Dauer bis zur nächsten Auflage gut dazustehen.

Dies ist der zentrale Punkt, an dem Reisecommunities wie Cosmotourist den entscheidenden Vorteil gegenüber traditionellen Reiseführern haben: In ihnen können sowohl Hotels, Restaurants, Bars und andere Einrichtungen von einer Vielzahl von Nutzern bewertet werden – und noch viel entscheidender: auch die bewertenden Personen dahinter auf ihre Glaubwürdigkeit. Das alles öffentlich und zeitlich unmittelbar und nicht erst bei der nächsten Auflage in zwei Jahren.